04/07/2011

Hat die Karriere-Website ausgedient?

Dass der Geist der Zeit auch am Personalmarketing nicht vorbeigeht, ist im Grunde ein Allgemeinplatz. In Zeiten von Twitter, Facebook und Co. redet heute alle Welt von Social Media, von Mitarbeitern, die bloggen, oder darüber, dass rund 76 Prozent aller Deutschen in einem Social Network registriert sind. Manche gehen sogar so weit und sagen, Karriere-Websites gehören der Vergangenheit an, was die Unternehmen brauchen, sind Fanpages in sozialen Netzwerken. Umso spannender fand ich den Themenvorschlag von David Jungk von der Content Management AG: „Vergesst nicht die Firmenwebsite als Faktor zur Fachkräftegewinnung im Mittelstand“…

Das ist ein sicher ein spannendes Thema, das in der aktuellen Debatte immer seltener auftaucht. Zu Unrecht: So berichtet der personalmarketingblog von der TEWeB-Studie von potentialpark, in der 3.000 Studenten befragt wurden: Der Karriereauftritt eines Unternehmens im Web ist wichtiger denn je. 96 Prozent der Studenten und Absolventen nutzen das Internet bei der Jobsuche, 89 Prozent von ihnen besuchen die unternehmenseigenen Karrierewebsites. Und die Ansprüche der Bewerber an die Unternehmen steigen. Die Qualität der Karrierewebsite ist also essentiell für die erfolgreiche Ansprache der gewünschten Bewerber.

Dennoch war ich offengestanden zunächst skeptisch, als ich diesen Themenvorschlag las, schließlich kommt er von einem Marketingmitarbeiter eines Unternehmens, das mit der der Bereitstellung von Komplettlösungen für den Internetauftritt von Unternehmen sein Geld verdient. Gleichzeitig war ich aber auch neugierig und habe mir gedacht: „Wenn es das täglich Brot dieser Mitarbeiter ist, Unternehmenswebsites zu gestalten, kann ich sicher etwas von ihnen lernen – und mit mir die Leser dieses Blogs.“

„Es ist im Grunde unerlässlich, dass sich kleine und mittlere Unternehmen im Internet präsentieren“, beginnt David Jungk und fährt fort: „Unserer Erfahrung nach nutzen aber immer noch viele Mittelständler eine Website ausschließlich als Marketinginstrument für potenzielle Kunden, die Kommunikation mit potenziellen Mitarbeitern kommt nach wie vor häufig zu kurz.“

„Es gibt in Deutschland rund 51 Millionen Internetnutzer. Viele von Ihnen werden mit der Recherche über einen potenziellen Arbeitgeber bei Google beginnen. Und wenn eine Seite schlecht ist, dann schwindet auch schnell das Interesse“, meint der Experte in der Gestaltung von Websites für KMU. Schlecht, das heißt für David Jungk vor allem veraltete Inhalte und eine schlechte Nutzerführung. Stellenagebote gehören in jedem Fall in eine eigene Rubrik, die Darstellung sollte so offen und transparent sein wie möglich. „Schließlich möchte ein potenzieller Bewerber möglichst viel über den möglichen Arbeitgeber wissen“, erklärt David Jungk.

Aber warum nicht einfach eine Fanpage auf Facebook schalten und auf eine Karriererubrik auf der eigenen Website verzichten?´, möchte ich von David Jungk wissen. „Ganz einfach. Das kann man sich schnell ausrechnen: Wenn wir von etwa 19 Millionen Facebooknutzern ausgehen und die 51 Millionen Internetuser in Deutschland dagegenhalten, verlieren wir ohne Website mehr als die Hälfte an potenziellen Interessenten.“ Außerdem brauche es eine gewisse Anlaufzeit und kontinuierliche Anstrengungen, um über Social Networks mit jungen Menschen in Kontakt zu treten und ihn zu halten. Optimal sei daher eine Kombination aus professionell gestalteter Website und Facebook-Fanpage.

“Eine Website eines Mittelständlers, die alles richtig macht, ist die der Ludwig Metzgerei. Sie versteht es im Netz in Hinblick auf Mitarbeitergewinnung zu kommunizieren. Jobs werden nicht nur auf der Website bzw. über eine eigene Domain-Umleitung ausgeschrieben, sondern auch auf der Facebook Page platziert. Unter Fotos findet sich dort sogar ein Ausbildungstagebuch und dem fleißigem Team wird auf der Pinnwand für die gute Arbeit gedankt — hier möchte man gerne arbeiten!”

Quelle: Patrick Grossheim, www.fachkraefte-blog.de, 04.07.2011

 

 


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